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begriffe

realität

sieht herr maier die katze nicht, die frau huber und frau klein gemeinsam sehen, so hilft man diesem den blick in die richtige richtung zu lenken. sieht herr maier einen feuerreiter auf der autobahn, den frau huber und frau klein auch bei grösster anstrengung nicht sehen können, so spinnt herr maier und steht ausserhalb der realität. für den begriff realität ist es also wichtig, dass er einen erlebnissbereich umreisst, der allen zugänglich ist. demnach sind gedanke, phantasien oder halluzinationen keine realität. nur durch die beschreibung von fakten lässt sich die welt der realität darstellen. sobald man auf diese verzichtet, oder fakten nicht von phantasien trennen kann, verlässt man die realität.

real

was aus dieser umschreibung deutlich wird, ist dass der begriff einen hohen funkionalen wert hat. wenn etwas realität geworden ist, dann existiert es hier, wie auch auf allen orten dieser erde. wer nichts funktionales, in seiner wirkung wiederholbares beschreiben will, der kann leicht auf realität verzichten und statt dessen innere erlebnisswerte mit phantasien mischen, ohne dabei in innere nöte zu geraten. realität beschreibt einen grenzverlauf. eine grenze zwischen innen und aussen. eine grenze zwischen verwertbarem und vorstellbarem. eine grenze zwischen objektiv vorhanden und subjektiv erdacht.

real

realität und kunst

die kunst bedient sich der realität indem sie jeweils einen speziellen ausschnitt daraus thematisiert. der maler kann seine verdichtete wahrnehmung der welt auf der abgegrenzten fläche der leinwand bearbeiten. hängt er selbige in eine öffentliche ausstellung, ist allen betrachtern bewusst, dass an den rändern des gemäldes der wirkungsbereich des künstlers endet: hinge ein gemälde, das einen feuerlöscher in arcyl darstellt neben einem feuerlöscher, der zum inventar eines museums gehört, so würde deutlich unterschieden; ersteren würde man unter fragen der ästhetischen betrachtung ansehen und ihn im brandfall nicht benützen. für die betrachtung des zweiten wäre man nicht bereit eintritt zu bezahlen, während man im brandfall beherzt nach ihm greifen würde. die künstlerische betätigung braucht damit die abgrenzung zur realität um einen dialog mit dieser führen zu können. das beispiel macht deutlich, dass ein normal genutzter gegenstand der realität nicht kunst sein kann und umgekehrt.

real

die grenze zwischen kunst und realität wurde in folge eine gut bewachte angelegenheit. in kunstausstellungen kommt es mitunter zur vermischung der ebenen. der verunsicherte besucher erhält beim abklären der grenzverläufe deutliche signale: sobald seine hand die realität verlässt und unwissentlich das kunstwerk berührt, erschallt eine sirene oder ein herbeigeeilter aufseher weist ihn zurück.
durch diese künstlichkeit verliert kunst an bedeutung: künstler dürfen fast alles, denn was sie tun, ist nicht bedeutend für die realität. es ist vielmehr als kommentar zu verstehen. so kommt es umgekehrt vor, dass gegenstände, denen man auf anhieb keinerlei sinn und funktion zuordnen kann kurzerhand zu kunstobjekten ernannt werden.

real

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